Perspektive als Lebenselixier

Hallo meine Liebste,

jetzt hab ich mir ganz schön Zeit gelassen mit meiner Antwort. Dabei oder vielleicht gerade weil soviel passiert ist in den letzten Tagen und Wochen. Die Sache mit dem Pläne schmieden, das ist nicht so dein Ding, ich weiss – mein Leben besteht quasi daraus, Perspektive ist mein Lebenselixier. Aber es gibt ja verschiedene Arten von Plänen, was ich mir gerade zusammenbastle ist mehr ein Rahmenabkommen. Jetzt ist es konkret, meine Zeit bei meinem Arbeitgeber gezählt. Noch 14 Tage, dann schliesse ich diese Ära ab und die Zeit des „Fliegens“ kann beginnen.

Wobei, eigentlich mehr die Zeit des Zugfahrens. Ich freue mich auf die bevorstehende Reise nach Osteuropa. Die Destinationen üben eine unheimliche Faszination auf mich aus, deshalb spüre ich beides in mir, die Vorfreude und die Angst.

Du erwartest horizonterweiternde und spannende Blog-Reisberichte? Das trifft es ziemlich gut. Ich habe ebenfalls die Erwartung, dass ich nicht nur Spannendes erleben werde, tolle Menschen treffe, sondern auch persönlich wachsen kann, mein Horizont erweitert wird und es mich hoffentlich positiv prägen wird. Spannend auch, dass du einen ähnlichen Druck verspürst die Zeit nutzen zu müssen! Aber auch klar, denn es ist ja nicht nur für mich eine Zeit ohne dich, sondern auch umgekehrt. Ich glaube, du wirst die Zeit, trotz Alltag geniessen können und ich bin sicher, dass uns diese Zeit als Paar herausfordern aber auch wiederum wachsen lässt.

Dein gewähltes Wort für mich gefällt mir. Das hast du perfekt ausgeführt, die Bedeutung hätte ich auch darin gesehen. Ich hoffe, dass mein „Ausflug“, den ich jetzt im April starten werde mir auch Inspiration bringt. Aber auch Klarheit zu erlangen, was im Leben zählt, oder präziser, was für mich zählt.

Jetzt geht es noch einen Monat, bis mein Abenteuer beginnt. Wieviel soll ich planen, wieviel der Spontaneität überlassen? Vorfreude, gepaart mit Respekt und Zweifel, Abenteuer und entspannte Auszeit, Zeit für mich und Herausforderung meiner Persönlichkeit, irgendwie hab ich das Gefühl, auch hier geht es darum ein Gleichgewicht zu finden. Hatte ich am Anfang das Gefühl, den Traum von jemand anderem zu leben, merke ich nun, dass es darum geht herauszufinden, welche Teile meiner Reise mich mit Vorfreude erfüllen und was mich einfach aus meiner Komfortzone herausholen und hoffentlich nachhaltig positiv prägen wird.

Ich glaube ich brauch beides. Denn dann glaube ich, dass ich das Maximum aus dieser Zeit herausholen kann. Du kennst mich ja, auch das brauche ich.

Noch kurz eine Bemerkung zu deinem Resilienz-Gedanken. Finde das überhaupt nicht widersprüchlich, sich fallen zu lassen und gleichzeitig dadurch widerstandsfähig zu werden. Es ist wiederum Ausdruck von einem Gleichgewicht, einem Sowohl-als-auch. Und Widerstandsfähigkeit ist doch immer Ausdruck einer gefundenen Balance. Und der Glaube, den du ansprichst, steht ja für diese Balance schlechthin. Glaube ist doch immer 50% selber tun und 50% vertrauen.

Auch das Thema, wie es nach dieser Auszeit und dem Ausflug für mich weitergeht, beschäftigt mich immer mehr. Welche Richtung soll ich einschlagen? Soll ich das Geld und ein sicheres Einkommen in den Fokus stellen? Soll meine Leidenschaft und mein Herz den Ton angeben? Ich bin froh, dass du mir hier absolute Handlungs- und Entscheidungsfreiheit gibst. Was selbstverständlich tönt, ist es für mich nicht. Denn du könntest mich sehr gut in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Die Tatsache, dass du es nicht tust, zeigt mir eine sehr respektvolle Haltung mir gegenüber und dass du mich unterstützen wirst, egal, wie es weitergeht – und das ist alles andere als selbstverständlich! Danke dafür. Es gibt mir ebenfalls Freiraum – und damit Perspektive!

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