Das Wort des Jahres

Hallo mein Liebster

Während ich schreibe höre ich „Take back the power“ und werde von dem Beat so aufgeputscht, dass ich das Gefühl habe ich müsste besonders schnell und heftig in die Tasten hauen:) Nomy schreit mir die ganze Zeit „what’s your plan“ in die Ohren und ich würde am liebsten zurück schreien „ich brauch nicht immer einen Plan!“:)

Aber ja, manchmal ist es natürlich gut, einen Plan zu haben. Ich beobachte dich gerade, wie du für die bevorstehende freie Zeit einen zusammenzubasteln versuchst und wünsche mir für dich, dass es am Ende eine Zeit wird, an die du dich auch noch in 10 Jahren gerne daran erinnerst. Und von der du nicht vorwiegend vom Chaos und freien Fall – sondern vor allem vom Fliegen erzählen wirst. Ich erwarte besonders horizonterweiternde und spannende Blog-Reiseberichte. 🙂

Währenddem du am (Reise-)Pläne schmieden bist frage ich mich, was ich denn mit dieser Zeit, in der du weg sein wirst, machen soll. Das wird ja eine ganz neue Erfahrung werden – wir leben seit über einem Jahrzehnt zusammen- und plötzlich könnte ich über mehrere Wochen ganz alleine sein. Das kommt mir jetzt schon komisch vor. Dann kann ich mich ja gar nicht mehr ärgern über nasse Handtücher, Krümel am Boden oder das Unterwäsche-in-Hose-mit-dran-hängenden-Socken-Wäschebündel. Irgendwie denke ich, ich müsste diese spezielle Erfahrung auch in besonderer Weise nutzen- obwohl sich an meinem Alltag eigentlich gar nichts ändern wird. Ist schon komisch wie man sich in jeder Situation irgend eine Art von Druck machen kann- ob man geht, ob man bleibt, ob man plant oder spontan sein will- sehr oft ist im Hinterkopf eine bestimmte Idee, Vorstellung oder Erwartung die man zu erfüllen versucht. Das empfindest du bei deinem Pläne schmieden ja genauso und ich finde es gut, dass du prüfst, was von alledem wirklich DU willst- und was eben bloss Erwartungen sind (meistens ja von aussen). Ich bin auf jeden Fall gespannt was wir in dieser Zeit erleben werden. Jeder für sich, aber auch wir als Paar.

Nun noch einmal kurz zum Thema Resilienz: es beschäftigt mich wohl vor allem deswegen, weil man diesem Wort ständig begegnet und ich mich selber frage, wie hoch meine eigene Resilienz, also die Fähigkeit zur Krisenbewältigung, eigentlich ist.
Wusstest du, dass es zum Wirtschaftswort 2022 gewählt wurde? 2020 war es das Wort Homeoffice, 2021 das Wort woke– und 2022 eben das Wort Resilienz. Da sollte man doch meinen, dass die Wirtschaft viel Wert auf z.B. die Stressregulation und generell die Gesundheit legt, interessanterweise haben aber 2022 Depressionen und Burnouts um fast die Hälfte zugenommen. Irgendwie scheint es also einmal mehr, als passe die Realität so gar nicht zu dem, was die Gesellschaft so lautstark verkündet. Diese Beobachtung beschäftigt mich immer wieder und ich hoffe, dass in meinem Inneren genug Substanz vorhanden ist, dass ich Krisenzeiten überstehen kann, ohne Schaden zu nehmen. Ich bin natürlich der Überzeugung, dass ich diese Substanz, diese innere Festigkeit und Stärke, durch den Glauben an Gott erhalte. Da ich weiss, dass über mir, dieser Welt, ja dem ganzen Universum eine Kraft existiert, die grösser als alles und dabei erst noch voller Liebe ist, beruhigt mich das und gibt mir die Sicherheit, dass in Zeiten von Krisen diese Kraft in mir zum Vorschein kommt und ihre Existenz beweist. Also schlussendlich bin ich der Meinung, dass ich resilient und widerstandsfähig sein kann, indem ich mich fallen und durch diese Kraft tragen lasse. Ein widersprüchlicher, vor allem aber ein tröstlicher Gedanke.

Ich frage mich, was im Jahr 2023 wohl zum Wort des Jahres gewählt werden wird. Für dich wünsche ich mir das Wort Ausflug. Das enthält Auszeit, Abenteuer, Neues entdecken aber auch Neues denken, Zeit für dich, weg vom Alltag, vielleicht auch Zeit für Umweg oder Exkurs. Und hoffentlich ein gesundes nach Hause zurückkehren.
Für unsere Gesellschaft wünsche ich mir das Wort Authentizität. Das würde bedeuten, dass sich unser Zeitgeist mehr um Echtheit bemüht, nicht nur um schöne Worte sondern um eine bessere Realität. Dass wir Dinge beim Namen nennen und nicht vorgeben, etwas zu sein, was wir nicht sind. Und vor allem uns nicht von äusseren Erwartungen leiten lassen, sondern unseren Weg gehen und unsere eigene Meinung vertreten können.
Welches Wort ich für mich selber wünsche? Es wäre wohl das Wort Substanz – bisschen abstrakt natürlich, aber wie oben beschrieben wünsche ich mir wirklich, dass mein inneres Ich, also eigentlich meine Seele, stark wird durch die Verbundenheit und Nähe zu Gott.

So, nun bist du wieder an der Reihe 🙂 Ich wünsche dir eine gute Woche und freue mich, wieder von dir zu lesen.

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