Fauda

„What’s your plan for tomorrow
Are you a leader, or will you follow
Are you a fighter, or will you cower
It’s our time to take back the power“

Mit dieser ersten Strophe vom Lied „Take back the power“ von Nomy ein herzliches Hallo an dich meine Liebste.

Die „Morning Pages“ hätte ich tatsächlich gut gebrauchen können. Nachdem mein berufliches Leben gerade Achterbahn fährt und gefühlt mit 180 Sachen gegen die Wand gefahren wurde, herrschte buchstäblich Chaos in meinem Kopf, das auch vor meinem Schlaf nicht Halt machte. Nicht Sorgen, nicht Angst, einfach zu viel auf einmal, gleichzeitig und parallel, da hätte etwas Ordnung nicht schaden können. Aber zurück zu deiner Morgenmuffelei, wenn das doch auch am Abend funktioniert, was hält dich denn davon ab es einfach mal auszuprobieren? Die nächtliche Variante würde ja das Argument, dafür auf wertvolle Minuten Schlaf verzichten zu müssen, entkräften.

Dein Optimismus ist manchmal echt beeindruckend. Klar, es könnte ja auch gut kommen. Wie du weisst, bin ich einfach gerne vorbereitet, auf alles und jeden. Und auf das Gute muss ich mich nicht einstellen, mit dem komm selbst ich klar. Was wenn ich es aber verpasst hätte, im unwahrscheinlichen Fall, dass alles in die Hosen ginge, mich auf genau diesen Fall vorzubereiten und mir damit die Unannehmlichkeit etwas erträglicher hätte gestalten können? Etwas viel Konjunktiv ich weiss, trotzdem schlaf ich irgendwie ruhiger damit. Versteh mich nicht falsch, ich lass mich gerne von dir und dieser wohlwollenden Sicht auf das Leben anstecken.

Weisst du aber, was ich glaube? Ich muss nur einen etwas anderen Ansatz finden dafür. Neues, selbst Unerwartetes und Überraschendes zu wagen, das reizt mich schon…aber nicht aus dem Grund, das es einfach auch gut kommen könnte, sondern, weil ich glaube, dass wir (fast) alles tun und sein können, was wir möchten, wenn es uns vergönnt wird. Der menschliche Wille ist etwas unglaublich Schöpferisches und Kreatives, der, sofern in die richtigen Bahnen gelenkt, Grosses erreichen kann. Und der aber, wenn er erst mal geknickt ist, auch wortwörtlich Leben beenden kann.

Ich frage mich gerade, ob nicht sogar die Resilienz am Ende auf dem Willen beruht? Du beschreibst sie sehr schön, als eine lebensmutige und reife Haltung. Vielleicht ist die Reduktion auf den Willen zu einfach, erlaube mir aber den Versuch es so zu formulieren: Die Resilienz ist zumindest der absolute Wille sich nicht als Opfer der Umstände zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Das Thema scheint dich, gemessen am Platz, den du ihm einräumst, sehr zu beschäftigen. Gibt es dazu eine Geschichte?

Persönlich habe ich das schon oft erlebt, dass das Verlassen der Komfortzone nur gewinnbringend für mein Leben ist. Auch wenn das von aussen schwer nachvollziehbar scheint, da mein Leben keine grossen Um- oder Abwege aufweist (ausser denjenigen, die wir gemeinsam gegangen und dir entsprechend bestens bekannt sind), du sagst es richtig, wie oft und in welchem Umfang das ein Mensch macht, ist und bleibt individuell.

Und ich werde in den nächsten Wochen und Monaten wieder das Privileg haben, mich damit auseinandersetzen zu dürfen. Die Achterbahnfahrt hat ja auch etwas Gutes, sie bietet nicht nur das Gefühl vom freien Fall und Chaos in der Magengegend, sondern verleiht auf anderen Abschnitten auch das Gefühl vom Fliegen. Und auf das freue ich mich. Die gestutzten Flügel wieder auszustrecken, sie wieder kraftvoll zu entfalten, zu kämpfen und wieder abzuheben, um neues Land zu entdecken.

Die Reise hat eben erst begonnen.

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