Hallo mein Liebster,
ich hab grad viel im Kopf und bin mir nicht sicher ob ich heute was Gescheites aufs Papier bringe… aber ich versuchs. Vielleicht sollte ich mal die Morning Pages ausprobieren- kennst du diese Methode? Man schreibt sich am Morgen nach dem Aufwachen einfach ALLES von der Seele, jeder Gedanke der durchs Gehirn schwirrt, alle Sorgen, Todo’s etc. Wenn das Gehirn dann mal leer ist, die Gedanken nicht mehr im Kopf sondern auf dem Papier sind, beruhigt sich alles und man kann bedeutend weniger gestresst in den Tag starten – klappt natürlich auch abends vor dem Einschlafen. Sagt man. Ich war bisher zu faul um dafür extra früher aufzustehen.
In der vergangenen Woche ist ja einiges passiert. Vor allem bei dir. Es ist klar, dass sich dieses Jahr in deinem Job einiges verändern wird. Im letzten Blogbeitrag hast du über das eigene Potenzial und die Komfortzone geschrieben. Alles Themen, die gut zu deiner Situation passen. Ich glaube, es ist schon fast ein Naturgesetz, dass das, was stark werden will, Widerständen ausgesetzt sein muss. Darum denke ich durchaus, dass ein bisschen Schmerz im Sinne von unbequem, gewagt, unsicher uns hilft zu wachsen. Wenn man Angst davor hat, die Komfortzone zu verlassen könnte es an der Fragestellung liegen. Anstatt zu denken: was wenn’s schief geht könnte man sagen: was wenns gut wird? Dieser Ansatz geht davon aus, dass die Grenzen, die man geglaubt hat zu haben, vielleicht gar nicht da sind oder zumindest überwunden werden können. Meistens ist es ja so, dass Herausforderungen in der Vorstellung, in der Zukunft, schlimmer aussehen als sie effektiv sind wenn man drin steckt. So entstehen auch Sorgen. Sich sorgen ist ja eigentlich nichts anderes, als sich etwas als schwierig vorzustellen ohne zu wissen, ob es tatsächlich schwierig ist.
Bezüglich Motivation, die dahinter steckt die Komfortzone zu verlassen bin ich der Meinung, dass wir das niemals tun sollten, weil uns die Gesellschaft andauernd einbläut, weiter vorankommen zu müssen. Die viel bessere Motivation ist aus meiner Sicht die Lust auf Abenteuer, die Neugier darauf, was es denn sonst noch so gibt, da draussen, ausserhalb der Box. Also mehr so den Entdeckergeist wecken als die Leistungsgesellschaft im Nacken spüren. Das kann und darf natürlich dann auch dazu führen, dass man sagt: nein, diese Umgebung ist nichts für mich. Auch ok. Aber dann hat man wenigstens mal über den Tellerrand hinausgeschaut.
Was ich allerdings als grössten Gewinn darin sehe, die Komfortzone zu verlassen ist das Thema Resilienz. Unter uns gesagt schon fast ein Unwort unserer Zeit. Was heisst das denn? Es ist ja eine innere Angelegenheit. Der Zustand meiner Seele in stressigen Situationen, in Unsicherheit oder beim Aufeinanderprallen von verschiedenen Erwartungen. Der Umgang mit meinen Gefühlen wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Fähigkeit, mich auf mein Gegenüber einzulassen auch wenn meine Bedürfnisse im Moment genau das Gegenteil verlangen. Ein Mensch, der so handelt und agiert, hat ein hohes Mass an Selbst- und Sozialkompetenz. Er kennt seine eigenen Grenzen, weiss aber auch, dass er diese von Zeit zu Zeit durchaus mal verschieben darf und kann. Nicht beim kleinsten Windhauch in Selbstzweifel zu verfallen, sich als Opfer zu verkriechen oder sich nur um sich selber zu drehen. Eine lebensmutige und reife Haltung.
Die Komfortzone zu verlassen heisst also, mit ungewohnten Situationen, anders denkenden Menschen und fremden Strukturen in Kontakt zu kommen, die einen vielleicht kurz überfordern- aber schlussendlich helfen, unser inneres Ich stark werden zu lassen.
Ich muss mich dann zwangsläufig aus meinem behaglichen Nest hinausbewegen, spüre vielleicht den kalten Wind der mir entgegenschlägt. Der selbstorientierte und aus meiner Sicht nicht resiliente Mensch würde dann sofort umkehren und die Welt wissen lassen: das tut mir jetzt grad nicht gut. Ich brauche Wärme und Behaglichkeit und jemanden, der das versteht und mir noch eine warme Tasse Tee bringt. Die Chance auf Entwicklung und Entdeckung liegt ja aber genau darin in diesem Moment zu sagen: ich schaffe das, dieser Wind härtet mich ab, wer den Regenbogen sehen will muss mit dem Regen klar kommen. Also Zähne zusammenbeissen und weitergehen.
(Ich möchte noch kurz betonen, dass ich hier nicht von einschneidenden, grossen Lebenskrisen rede. Die Resilienz in Bezug auf Schicksalsschläge, Verlust, Krankheit etc. wäre nochmal ein ganz anderes Thema und etwas anmassend, das einfach mit Zähne zusammenbeissen abzutun.)
Ich glaube fest daran, dass das Verlassen der Komfortzone sich auszahlt. Wie oft und in welchem Masse ein Mensch sich dem aber aussetzt, ist jedem seine eigene Entscheidung.
Ich wünsche dir für die kommenden Monate viel Mut für mutige Entscheidungen, keine Angst vor dem Unbekannten und einen „Entdeckergeist“, der neugierig ist auf fremde Welten (niemand weiss besser als ich, dass ein Explorer in dir steckt:)).
Und wer weiss, vielleicht wird’s am Ende ja richtig gut.


Hinterlasse einen Kommentar