Hallo meine Liebste,
habe ich eine Tür geöffnet? Gute Frage, ich glaube ich habe das tatsächlich gemacht. Wie du weisst beschäftigt mich seit geraumer Zeit, wo und in was ich meine Lebenszeit investiere bzw. sie verbringen möchte von Montagmorgen bis Freitagabend. Auch wenn aktuell vieles gut ist, kann es trotzdem spannend sein sich umzusehen und mal zu versuchen die eine oder andere Türe zu öffnen. Sie könnte sich ja öffnen. Das habe ich tatsächlich gemacht, spruchreif ist da aber gar nichts, da muss ich dich enttäuschen.
Abgesehen davon stelle ich mir oft die Frage, ob ich mein volles Potential schon ausschöpfe oder ob da noch mehr geht. Und wenn mehr geht, zu welchem Preis. Hat viel mit der altbekannten Frage der persönlichen Berufung im Leben zu tun. Muss es unbequem sein und weh tun, damit es sich richtig anfühlt? Muss ich permanent über meinen Schatten springen und meine Komfortzone verlassen, damit ich mein volles Potential ausschöpfe? Oder mache ich da wieder einen leistungsgetriebenen Denkfehler? Wie siehst du das? Oder denkst du, der Schmerz die eigene Komfortzone zu verlassen verblasst, wenn man es nur genügend oft macht?
Du hast gesagt, dass du manchmal nicht vom Fleck kommst, oder es sich zumindest so anfühlt. Das könnte aber die positive Kehrseite haben, dass du den Moment dafür umso intensiver erlebst. Kannst du da mitgehen?
Die vielen Möglichkeiten, die wir haben, ja du hast recht, es ist manchmal wirklich Qual der Wahl, oder eigentlich immer. Denn eine Wahl hat man immer…bzw. man muss eben immer eine treffen. Selbst dann, wenn uns die Umstände in manchen Fällen die Wahl einfach machen. Es muss logisch sein, es darf niemanden verletzen, Hauptsache es stimmt für alle anderen, es darf nichts kosten, ich habe gerade Lust auf das, es gibt endlos Argumente, die für die eine oder andere Entscheidung sprechen. Aber in all den Argumenten bei sich selbst zu bleiben…DAS ist echt ne Herausforderung.
Dein Vokuhila gefällt mir. Also nee, hättest du einen, fänd ich das ganz schrecklich, aber dein Bild triffts gut. Die FOMO macht vor keinem Bereich halt. Ich mag deine ehrliche Einschätzung, dass selbst die Beziehung manchmal davor nicht gefeit ist. Und spannend ist ja, wenn man diese Erkenntnis zulässt, zwingt sie mich, mich immer wieder auf die Suche nach mir selbst zu machen. Wer bin ich, was hab ich selbst für Erwartungen an mich, wer will ich sein, für was will ich einstehen. Und was dann zum Vorschein kommt, sind meiner Meinung nach die tragfähigen Werte im Leben. Meine Emotionalität, meine Lust, mein Frust oder meine Nächstenliebe und Selbstaufopferung sind ebenso schlechte Ratgeber wie die Angst (etwas zu verpassen).
War früher alles besser hast du gefragt. Lass es mich so formulieren: Aus unserer Sicht heute war es früher besser ja, auf jeden Fall! Fühlten sie damals auch so? Nein, mit Sicherheit nicht. War es also wirklich besser? Wahrscheinlich nicht. Jede Generation hat doch ihre Herausforderungen, ihre Höhenflüge und ihre gesellschaftlichen Entgleisungen zu (er-)tragen. Das ändert aber nichts daran, dass ich trotzdem manchmal lieber „damals“ gelebt hätte. Soviel Irrationalität muss sein.
Nun versuche ich den Moment zu geniessen, den Auftakt vom Wochenende. Der Frühling lässt noch auf sich warten, das ist mir ganz recht so, wie du weisst, geniesse ich mein Weizen-Gersten-Hopfen-Mischgetränk gerne ohne Insektenproteine, und dafür eignet sich der Winter einfach besser.
Cheers!


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